• Physiotherapie kann Antirheumatika sparen

    Physiotherapie kann Antirheumatika sparen

    In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Bei diesen Erkrankungen ist eine schnelle Diagnose essenziell, um die Therapie so früh wie möglich einzuleiten, bevor irreversible Gelenk- oder Wirbelveränderungen auftreten. Nicht selten kommen dabei Biologicals zum Einsatz – eine wirksame, aber auch kostenintensive Therapie. Wie Kosten sich möglicherweise reduzieren lassen könnten, erklärte Professor Ulf Müller-Ladner, Rheumatologe aus Bad Nauheim, beim Pharmacon im österreichischen Schladming.

    Unbehandelt führten, wie der Referent erklärt, diese Erkrankungen zu einer deutlichen Verringerung der Lebenszeit. Mit der Einführung der Biologicals hätten sich die Therapieoptionen für diese Patientengruppe deutlich erweitert. Problematisch sei aber der hohe Preis der Substanzen, die Jahrestherapiekosten für das Fusionsprotein Etanercept (Enbrel®), ein TNF- alpha-Blocker, belaufen sich beispielsweise auf über 20.000 Euro. Möglichkeiten, diese Substanzen und somit Kosten einzusparen, ohne den Patienten die hochwirksamen Therapien vorzuenthalten, seien also gefragt. Ein Weg sei zum Beispiel, so Müller-Ladner, in Remissionsphasen die Dosis zu reduzieren. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis konnte gezeigt werden, dass bei niedriger Krankheitsaktivität die halbe Dosis Etanercept ausreichend ist, ein Teil der Patienten kam sogar ganz ohne das Medikament aus.

    Pilotstudie mit Physiotherapie

    Ebenfalls einen positiven Effekt auf den Verbrauch von Biologicals könnte laut Müller-Ladner eine Physiotherapie haben, und zwar bei Patienten mit aktiver Spondyloarthritis, eine Gruppe entzündlicher Erkrankungen, zu denen beispielsweise auch die Spondylitis ankylosans (M. Bechterew) zählt. Dies konnte vergangenes Jahr in einer Pilotstudie mit 20 Teilnehmern gezeigt werden. Die Patienten erhielten neben der halben Etanercept-Dosis eine intensive Physiotherapie. Nach acht Wochen war eine Abnahme der Krankheitsaktivität zu beobachten, nach weiteren acht Wochen sank diese noch weiter. Der Effekt war laut Müller-Ladner auch zwei Monate nach Beendigung der Physiotherapie noch nachweisbar.

    Neben der geringeren Krankheitsaktivität konnte zudem ein geringer Verbrauch an nicht-steroidalen Antirheumatika beobachtet werden. Am Ende des Beobachtungszeitraums habe sich die Hälfte der Patienten entschieden, die Therapie mit der niedrigeren Dosis fortzusetzen. Mit der Kombinationstherapie habe man im Vergleich zur Etanercept-Monotherapie mit der vollen Dosis insgesamt 76.000 Euro eingespart. Obwohl der direkte Vergleich mit einer Kontrollgruppe fehlt, sähen die Autoren starke Hinweise darauf, dass eine intensive Physiotherapie bei Spondyloarthritis-Patienten einen Teil der Dosis des TNF-alpha-Blocker ersetzen könne und so eine therapeutische Alternative sei, vor allem im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit der Therapie.

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