Rehabilitation bei neurologischen Erkrankungen

Grundsätzliches

Eine schwere Hirnschädigung tritt fast immer plötzlich und unerwartet auf, ob es sich um eine Verletzung durch Unfall, einen Schlaganfall, eine Unterbrechung der Blutversorgung (Hypoxie) oder um andere Ursachen handelt. Die moderne Notfall- und Intensivmedizin ermöglicht ein Überleben – aber was kommt dann? Kaum einer der Betroffenen selbst oder der Angehörigen kann die Konsequenzen eines solchen Ereignisses zu diesem Zeitpunkt überblicken. Auch Ärzte können sich in den meisten Fällen nicht auf eine verlässliche Prognose festlegen. Jeder Patient, auch der mit der schwersten Hirnschädigung, hat einen Rehabilitationsversuch verdient. Dieser sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt an einer dafür spezialisierten Einrichtung unternommen werden.

Behandlung an der Wurzel, nicht am Symptom

Alle Patienten mit neurologischen Erkrankungen bzw. Störungen haben bis zu dem Ereignis Erfahrungen gesammelt, die sie in die Lage versetzten, mit tagtäglich auftretenden Problemen im Alltag umzugehen. Dieses Sammeln von Erfahrungen oder auch Lernen geschieht zunächst rein taktil- kinästhetisch, d. h. durch Spüren von sich selbst und seiner Umgebung, statisch und in der Interaktion. All die vielen kleinen Erfahrungen ergeben in ihrer Summation die Fähigkeiten, über die wir als Mensch verfügen: Motorik, Sprache, Sozialverhalten, Gedächtnis, Planung, Aufmerksamkeit und Konzentration, usw. Diese Fertigkeiten, einzeln oder in Kombination, sind nach einer schweren Hirnschädigung gestört. Der Patient kann nicht mehr auf seine früher erworbenen Erfahrungen zurückgreifen (Baumstruktur s.u.). An der Wurzel zu behandeln und nicht am Symptom bedeutet also, dem Patienten zu Informationen zu verhelfen, die ihn in die Lage versetzen, Probleme im Alltag zu lösen. Reine Symptombehandlung, d. h. das Üben einzelner Fertigkeiten, hilft dem Patienten weder bei seinem Grundproblem noch bei seinem Lernprozess weiter. Gestörte Informationswege werden durch Führen mit dem Ziel beeinflusst, die zentrale Wahrnehmungsfähigkeit und damit die gestörte Funktion zu verbessern.

Sehr gut integrieren lässt sich hierbei u.a. das von uns eingesetzte Bobath-Konzept. Ziel des Bobath-Konzeptes ist die Anbahnung normaler Haltungs- und Bewegungsreaktionen in der Interaktion mit der Umwelt. Unsere therapeutischen Maßnahmen (Physio- und Ergotherapie) begegnen drohender Spastik und beugen Kontrakturen vor, beinhalten auch korrekte Positionierung, Lagerung und aktivierenden Transfer bei allen Aktivitäten eines strukturierten Tagesablaufs.