• Physiotherapie schon früh bei Parkinson einsetzen

    Direktorin der Klinik für Neurologie am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) unterstreicht den Stellenwert der Heilmittelerbringer in der Parkinsonbehandlung.

    18.10.2017″Der Krankheitsverlauf bei Parkinson ist zwar individuell sehr unterschiedlich, die Prognose ist inzwischen aber deutlich besser als noch vor 30 bis 40 Jahren“, berichtet Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in einem Interview, veröffentlicht in der Zeitschrift: InFo Neurologie & Psychiatrie. Die Medikamente ließen sich heute sehr genau den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Es werde mehr auch auf nicht motorische Symptome geachtet und Ärzte könnten mehr gegen starke Wirkungsfluktationen tun, weil rechtzeitig auf Pumptherapie oder tiefe Hirnstimulation gesetzt werde. Zudem profitierten die Patienten schon früh von Logopädie sowie Physio-und Ergotherapie.

    Bezüglich des Verlaufs der Erkrankung bestehen allerdings noch Unsicherheiten. Patienten mit früher Akinese und häufigen Stürzen hätten einen etwas schlechteren Verlauf, als Patienten mit einem im Vordergrund stehenden Tremor. Dabei sei das Zittern nur schwer zufriedenstellend zu behandeln, da es auf dopaminerge Arzneien weniger gut anspricht. Dennoch ist Berg mit individuellen Prognosen vorsichtig. Zwei Patienten mit exakt gleichen Verlauf gebe es nicht. Immer noch sei es weitgehend unklar, welche Symptomkonstellation einen günstigen oder ungünstigen Verlauf nach sich ziehe.

    Klar sei jedoch die Wirkung von Logopädie, Physio – und Ergotherapie. Durch Sprechübungen, Training der Feinmotorik oder Bewegungsübungen werden neue Verbindungen im Gehirn geknüpft. In Folge entstehen neue motorische Kreisläufe mit Auswirkungen auf die Alltagsfähigkeiten. Wird das Gehirn trainiert, lernt es zu kompensieren und entwickelt neue Strategien. Das Gehirn lerne mit der Bewegung, die einzelnen Funktionen zu kontrollieren, indem es neue Gehirnareale in Anspruch nimmt. Das funktioniere allerdings nur in Folge ständigerer Wiederholung. Einmal Sport reiche nicht.

    Nach Prof. Berg ist der Stellenwert der Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie in der Parkinsonbehandlung hoch anzusiedeln und soll nach den Leitlinien auch schon sehr früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

    Daniela Driefert / physio.de

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